Bereits 2017 konnte sich Greg in der Master Kategorie (Männer 35-39) für die CrossFit Games qualifizieren. Somit war er nach der diesjährigen erneuten Qualifikation kein Neuling mehr und wusste, was in etwa auf ihn zukommen würde. Vier Tage lang hat er sich verschiedensten Workouts gestellt und mit 19 anderen Männern in seiner Kategorie um den Titel des fittesten Mannes seiner Kategorie gekämpft (https://games.crossfit.com/workouts/games/2018?division=18). Wie diese Erfahrung für ihn war, hat er uns im Gespräch erzählt.
Lieber Greg, erstmal herzliche Gratulation zu deinem tollen 14. Rang (1 Rang höher als letztes Jahr!). Wie war es zum zweiten Mal an den Games zu sein? Was war anders als beim ersten Mal?
"An den Games zu sein wird für mich immer etwas Spezielles sein - beim ersten, zweiten oder vielleicht auch dritten Mal. Letztes Jahr war ich einfach happy es geschafft zu haben und war, ehrlich gesagt, verhältnismässig relaxed. Beim zweiten Mal dachte ich, wäre ich routinierter und weniger nervös. Ich Nachhinein war es aber genau umgekehrt. Das lag vermutlich daran, dass ich dieses Mal mit einer gewissen Erwartungshaltung angereist bin. Das Ziel war Top 10. Damit setzte ich mich selbst unnötig unter Druck. Will aber nicht heissen, dass ich es nicht etwa genossen hätte. Sicherlich geholfen hat, dass ich dieses Jahr bereits von Anfang an wusste, wie der Hase läuft, sodass ich mich voll und ganz auf den Wettkampf und meine Leistung konzentrieren konnte und mich nicht noch mit logistischen Fragen herumschlagen musste."
Wie schafft man es, sich 4 Tage solchen Workouts auszusetzen und bis am Schluss durchzuhalten? Ich habe gehört, du hattest mit Krämpfen zu kämpfen - wie bist du damit umgegangen? Wie motivierst du dich immer wieder aufs Neue?
"Die Workouts waren dieses Jahr meines Erachtens härter als letztes Jahr. Zumindest hat es sich für mich so angefühlt. Mit der entsprechenden Trainingsvorbereitung und einem durchdachten Trainingsplan von Beni war ich im Prinzip gut für die 4 Wettkampftage und deren Intensität vorbereitet. Am Ende bleibt es aber logischerweise immer extrem anstrengend, insbesondere, weil man in jedem Event all out geht. Während des Wettkampfs ist es wichtig, darauf zu achten, optimale Voraussetzungen zu schaffen. Dazu gehören unter anderem Ernährung - da gehört auch Supplementierung dazu, Schlaf, Warm-ups, Cool-downs, Eisbäder und Massagen. Meine Frau, die hinter den Kulissen zwischen den Events alles für mich organisiert und geplant hat, war mir dabei eine Riesenstütze, sodass ich mich auf die Workouts und meine Regeneration konzentrieren konnte. Es lief leider nicht alles nach Plan. Im letzten Workout am Freitag hatte ich insbesondere bei den Runs und Yolk Carries Krämpfe, da meine Beine vom "P.S." Workout völlig übersäuert waren. Am Ende von Event 6 wurde ich von meinen Mitstreitern förmlich vom Platz getragen. Hinzu kam dann, dass mein System komplett herunterfuhr und ich mich noch mit einem Heuschnupfenanfall herumschlagen musste. Ich glaube, ich habe noch nie so viel Kohlenhydrate gegessen und Elektrolyte getrunken wie an jenem Abend, um meine Speicher wieder aufzufüllen. Mir wurde ebenfalls geraten, ordentlich Gurkenwasser zu trinken (lacht). Placeboeffekt hin oder her, am nächsten Tag war ich wieder einsatzbereit. Zwar lief das erste Workout am Samstag nicht ganz so wie ich wollte, aber beim Schwimmen kam ich wieder zu Kräften. Glücklicherweise habe ich in der Regel wenig Mühe mich zu motivieren, weil mir CrossFit einfach Spass macht. Die Energie an den Games verleiht ebenfalls Flügel. "
Wie ist die Stimmung an den Games? Der Kontakt zu anderen Athleten? Unternimmt man auch noch etwas zusammen oder wie verbringt man die "Freizeit"?
"Die Stimmung unter den Athleten - vor allem in der Masters-Kategorie - ist grundsätzlich sehr freundlich und kollegial. Ausser Neal Maddox, der ist wenig entspannt, er war aber dieses Jahr auch nicht mehr in meiner Kategorie (lacht). Es will zwar jeder gewinnen, aber es fühlt sich trotzdem mehr als ein "Miteinander" an. Das lockert die Stimmung auf und erhöht den Spassfaktor. Viel Freizeit gibt es an den Games als Athlet eigentlich nicht und wenn der Tag zu Ende ist, zieht man sich lieber wieder in seinen eigenen Kreis zurück. Zum Vibe im Publikum kann ich nicht viel sagen, weil ich leider keinen Event live im Publikum miterlebt habe. Dafür bleibt einfach praktisch keine Zeit."
Was war der beste/schönste Moment in diesen Tagen? Hast du auch mal gehadert?
"Es gab viele schöne Momente, zum Beispiel die Opening Ceremony, bei der Lukas Esslinger, Adrian Mundwiler und ich unter wehender Schweizer Flagge ins Stadion einmarschiert sind oder am Ende des finalen Events, wo sich alle Athleten nochmals zusammenfinden und sich letztlich verabschieden. Gehadert habe ich sicherlich am Freitagabend nach meinen Krämpfen und Niessattacken, von denen ich mich aber glücklicherweise wieder erholen konnte."
Nach den Games ist vor den Opens. wie geht's weiter? Was hast du noch für sportliche Ziele/Träume?
"Immer eins nach dem anderen. Nächstes Jahr habe ich privat wieder viel los. Ich werde aber sicher wieder bei den Opens und Age Group Online Qualifiers mitmachen. Wenn ich es trotz allem wieder an die Games schaffen sollte - alleine oder möglicherweise sogar mit Team Turicum - bin ich natürlich wieder dabei. Ich denke schon, dass ich das noch ein paar Jahre machen kann und will. Ich plane hier aber nicht zu weit voraus. Step by step."
Was würdest du einem Athleten/einer Athletin in unserer Box raten, wenn er/sie auch einmal so etwas erreichen möchte wie du. Was braucht es dazu?
"Ich denke es braucht Disziplin, Ehrgeiz, eine Prise Talent, Drive, eine gesunde Selbsteinschätzung, Selbstvertrauen, einen Plan und eine gute Balance von Training, Recovery und Schlaf, um verletzungsfrei zu bleiben. Zwangspausen aufgrund von Verletzungen können einen weit zurück werfen. Deshalb ist es wichtig, dass man auf seinen Körper hört und Warnsignale früh wahrnimmt."
Gibt es sonst noch etwas, dass du gerne loswerden möchtest?
"Merci für die Unterstützung! Es war mir eine Ehre, CrossFit Turicum an den Games zu vertreten."
Lieber Greg, die Ehre liegt ganz bei uns! Du bist nicht nur ein erfolgreicher Athlet, sondern auch ein tolles Vorbild und wir sind stolz, dass du CrossFit Turicum an den CrossFit Games vertreten hast und hoffentlich noch weitere Male vertreten wirst!