TuricumFit Programming - Part I

Mit dem Wachstum von CrossFit - sowohl als Fitnessprogramm, wie auch als Wettkampfform - ist die spezielle Art der Trainingsplanung („Programming“) ein kontrovers diskutiertes Thema in der ganzen Fitnesswelt. Doch wie kam Beni Bachmann, Verantwortlicher für das TuricumFit  Programming, überhaupt zu dieser Trainingsart? Und wie speziell ist dessen Planung wirklich? Diese Fragen beantwortet uns Beni in einem zweiteilligen Blog. 

Wie ich zu CrossFit kam

2006 kam ich das erste Mal mit CrossFit in Berührung, als mich einer meiner Kunden dazu überredete, das Benchmark Workout "Fran" zu machen: „Mach einfach so schnell wie möglich 21 Frontkniebeugen mit Schulterpresse (Thrusters) und 21 Klimmzüge, danach nochmals dasselbe 15x und 9x!“, sagte er mit einem Lächeln im Gesicht.

Damals hatte ich gerade meine Karriere als Kampfsportler beendet und suchte nach einer neuen sportlichen Herausforderung.

Das Gefühl nach den drei Runden "Fran" war überwältigend - im wahrsten Sinne des Wortes: Es war das Gefühl, das ich sonst nur nach sehr harten Trainingseinheiten im Ring kannte - nur hatte es sich in viel kürzerer Zeit manifestiert.

Noch am selben Tag begann ich dieses "CrossFit" zu recherchieren, fand jedoch nur sehr wenig darüber. Diese Art zu trainieren hatte mich sofort in den Bann gezogen und ich stellte daraufhin mein ganzes Trainingsprogramm um. 

 

Die Anfänge

Zu dieser Zeit gab es keine CrossFit Coaches, geschweige denn eine "Box" (wie die CrossFit Gyms genannt werden) in der Schweiz. Ich musste mir alles selbst beibringen und genau darin lag für mich der Reiz! CrossFit ist technisch anspruchsvoll, facettenreich und intensiv. Auf einmal verbrachte ich wieder Zeit mit dem Üben von koordinativen Skills, musste Zeit- und Leistungsvorgaben für viele verschiedene Trainingsroutinen ("WODs") einhalten und hatte nach dem Training das gute Gefühl, auf verschiedenen Ebenen ausgepowert zu sein.

Damals war ich bereits seit 13 Jahren Personaltrainer, hatte eine medizinisch-therapeutische Trainerausbildung absolviert und war ehemaliger Leistungssportler. Ich kannte meinen Körper sehr genau und für mich war klar: der Trainingsreiz im CrossFit ist äusserst effizient, aber diese Art des Trainings ist nur sehr begrenzt für jedermann sinnvoll! Vor allem dann, wenn man alleine und ohne Vorkenntnisse damit beginnt, einem CrossFit Onlineprogramm zu folgen.

Fast zwei Jahre später reiste ich nach San Diego und besuchte das CrossFit Level 1 Seminar und lernte nochmals zwei Jahre später meine beiden heutigen Geschäftspartner Tibi und Adi kennen, die in einer winzigen Garage CrossFit Turicum gegründet hatten. Tibi war ehemaliger Kader-Ruderer und Wasserballer und Adi Erstliga-Fussballer und befand sich mitten im Abschluss seines Medizinstudiums. Wir verstanden uns auf Anhieb und beschlossen fortan zusammen zu arbeiten.

Es war naheliegend, dass der Aufbau der Klassenstruktur, nach der wir unterrichteten, so gestaltet war, wie wir drei es aus der Leistungssportlerwelt gewohnt waren - schliesslich war die Intensität ja auch ähnlich hoch und genau das, womit sich CrossFit von anderen Trainingssystemen differenzierte. Und genau diese Intensität birgt jene Gefahren, welche von Gegnern zurecht kritisiert werden.

Einen sehr grossen Stellenwert für uns hatte bereits damals schon das Warm-up - aus folgendem Grund: Viele der beliebtesten CrossFit-Bewegungen sind jene, die "plyometrisch" ausgeführt werden. Also solche, die eine explosive Einleitung und ein rasches Abbremsen erfordern. Wie z. B. alle Kipping-Bewegungen (Toes to Bar, Pull ups), sowie Swings, Wall Balls usw.

Diese Bewegungen sind äusserst effizient, verlangen aber im Bewegungsapparat gut ausgeprägte, passive Strukturen (Sehnen, Bänder, Knorpel)! Diese Strukturen passen sich um einiges langsamer an den Trainingsreiz an, als die Muskulatur! Und darin liegt auch der Hauptgrund für die vielen Verletzungen bei AnfängerInnen, WiedereinsteigerInnen oder denen, die bisher ein "normales" Fitnesstraining absolvierten und dann mit CrossFit starten.

Darum verwenden wir in unseren Klassen bzw. unserem Warm-up viel Zeit mit dem Aufbau dieser Strukturen, dem gleichzeitigen Erhöhen der Gewebs-Elastizität, sowie der sauberen Bewegungs-Ansteuerung.

 

Der Spagat

Mit den grösser werdenden Klassen und den unterschiedlichen Fitnessniveaus der Teilnehmenden, begann die Schwierigkeit, dem Spagat zwischen Trainierenden mit einem sportlichen Background, und denen mit einer eher weniger bewegten Vergangenheit gerecht zu werden.

Neben anderen Kriterien ist das Programming ein wichtiges Steuerungselement, um die Niveauunterschiede zwischen den Teilnehmenden auszugleichen. Damit dies gelingt, muss man sich verschiedene Fragen stellen:

1. Wie stellt man eine hohe Trainingsintensität und damit die gewünschten Resultate für alle Teilnehmenden sicher?
2. Wie viele Personen können gleichzeitig trainieren und können die Sicherheitsstandards eingehalten werden?
3. Ist die Abwechslung genügend hoch, damit der Trainingsreiz und Spassfaktor bestehen bleibt?
4. Möchte ich die ganze Bandbreite vom AnfängerInnen bis zu WettkampfathletInnen in einer Klasse abdecken?

 
Fortsetzung folgt...

Mehr dazu im zweiten Teil in 2 Wochen. Dort werde ich euch auch mehr zum Wettkampf- und Klassenprogramming erzählen.